Mit dem Zug von Stuttgart durch Slowenien bis nach Zagreb

Über Nacht mit dem Zug nach Zagreb

Unsere Reise beginnt am Abend in Stuttgart. Es ist Ostersonntag, der Bahnsteig ist gut gefüllt, aber nicht hektisch. Die typische Nachtzugstimmung stellt sich schnell ein. Menschen mit Taschen und Rucksäcken, leise Gespräche, ein bisschen Vorfreude liegt in der Luft. Wir sind zu viert unterwegs und haben ein eigenes Abteil im Liegewagen gebucht.

Bevor es richtig losgeht, beginnt allerdings erst einmal die Suche nach dem richtigen Wagen. Der EuroNight besteht aus mehreren Zugteilen mit unterschiedlichen Zielen, darunter Budapest, Zagreb und Venezia. Die Anzeigen am Bahnsteig sind dabei nicht immer eindeutig. Häufig wird nur eine Relation angezeigt, manchmal auch einfach nur die Zugnummer 237. Diese steht für den durchgehenden Lauf von Stuttgart bis Venedig. Wer nach Zagreb möchte, muss deshalb genauer hinschauen und im Zweifel noch einmal die Wagenreihung prüfen. Hat man den richtigen Wagen gefunden, wird es deutlich entspannter.

Gebucht haben wir direkt über die ÖBB. Die Preise unterscheiden sich spürbar je nach Nachfrage. Für die Hinfahrt zahlen wir insgesamt 179 Euro, also etwa 45 Euro pro Person. Für die Rückfahrt einige Tage später sind es 269 Euro beziehungsweise rund 68 Euro pro Person. Gerade rund um Feiertage zeigt sich die dynamische Preisgestaltung deutlich.

Unser Abteil im Liegewagen

Wir richten uns im Abteil ein, verstauen das Gepäck und machen es uns bequem. Für mich ist die Strecke nicht neu. 2024 bin ich bereits im Schlafwagen nach Zagreb gefahren. Diesmal interessiert mich vor allem der Vergleich.

Der Liegewagen ist einfacher ausgestattet. Es gibt ein Laken, ein Kissen und eine Wolldecke. Eine vollständige Bettwäsche wie im Schlafwagen fehlt. Viele bringen sich deshalb einen eigenen Schlafsack mit. Ich komme auch so gut zurecht.

Zu viert funktioniert das Abteil sehr gut. Es entsteht schnell eine eigene, ruhige Atmosphäre. Man sitzt noch eine Weile zusammen, spricht über die Reise, bevor nach und nach Ruhe einkehrt.

Ein Detail, das oft übersehen wird: Auch im Liegewagen ist ein Mini-Frühstück inklusive. Es ist einfach, aber hilft dabei, gut in den Tag zu starten. Es gibt ein abgepacktes Schoko-Crossaint und wahlweise Kaffee oder Tee beim Liegewagenbetreuer.

Alle Abteile, auch die Schlaf- und Sitzwagenabteile können auf vagonweb.cz von innen angeschaut werden.

Durch die Nacht und der Halt in Salzburg

Die ersten Stunden verlaufen ruhig. Der Zug arbeitet sich durch Süddeutschland Richtung Österreich. Irgendwann wird es still im Abteil.

Gegen 1:00 Uhr erreichen wir Salzburg. Auch wenn man davon nicht alles bewusst mitbekommt, passiert hier ein zentraler Teil der Reise. Der Zug wird geteilt. Unser Zugteil wird anschließend mit Wagen aus Zürich vereinigt. Ab hier fährt der neu zusammengestellte Zug gemeinsam weiter nach Zagreb. Dieses nächtliche Rangieren gehört zum System hinter vielen Nightjet-Verbindungen und macht solche Direktverbindungen überhaupt erst möglich. Wir sind allesamt bereits vor Salzburg eingeschlafen und haben nichts von der Rangierarbeit mitbekommen.

Der Morgen in Slowenien

Am nächsten Morgen lohnt es sich, nicht zu lange liegen zu bleiben. Spätestens in Slowenien beginnt der Abschnitt, der diese Strecke besonders macht.

Die Landschaft wirkt ruhig und weit. Wälder, Hügel und kleine Orte ziehen vorbei. Immer wieder gibt es Bahnübergänge, viele davon unbeschrankt. Die Lokomotive kündigt sich jedes Mal mit einem deutlichen Signalhorn an. Dieses Hupen begleitet die Fahrt über längere Zeit und bleibt im Kopf.

Ein markanter Punkt entlang der Strecke ist der Schornstein von Trbovlje. Mit über 300 Metern Höhe ist er schon von weitem sichtbar und hebt sich deutlich von der Umgebung ab. Für einen Moment verändert sich die Szenerie, bevor wieder Wälder, Hügel und Flüsse dominieren.

Während draußen die Landschaft vorbeizieht, kommt das Frühstück ins Abteil. Nichts Besonderes, aber genau passend für diesen Moment.

Ankunft in Zagreb

Die letzten Kilometer vergehen schnell. Die Landschaft wird dichter, erste Vororte tauchen auf, dann fährt der Zug in Zagreb ein.

Nach der Nacht im Zug verfliegt die Zeit. Man steigt aus und ist sofort in der Stadt. Kein Umstieg, kein zusätzlicher Weg. Die Verbindung mit dem Zug nach Zagreb ist eine der Strecken, bei denen der Nachtzug seine Stärken ausspielt. Die Reise ist unkompliziert, und der Morgen in Slowenien bleibt besonders in Erinnerung.

Der Liegewagen ist dabei eine gute Option, vor allem wenn man als Gruppe unterwegs ist und ein Abteil für sich nutzen kann. Er ist einfacher als der Schlafwagen, aber für eine Nacht völlig ausreichend. Wir haben alle gut und erstaunlich lange geschlafen.

Am Ende ist es genau diese Mischung aus Unterwegssein, Ruhe und dem Erleben von Landschaft, die die Reise besonders macht. Man kommt nicht nur an, sondern ist unterwegs gewesen.

Hinweise auf weitere Reiseberichte

Schaut euch auch gerne die Reportage zum Schlafwagen von René von Nachtzüge in Europa an.

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