Mit dem Nachtzug bis ans Meer: Vom Bodensee über Zürich und Mailand nach Sizilien
Unsere Reise beginnt früh am Morgen in Radolfzell am Bodensee. Wir haben Weihnachten hinter uns gelassen und machen uns am 27.12. auf den Weg ins wärmere Italien um dort den Jahreswechsel zu verbringen. Noch ist es ruhig auf dem Bahnsteig, genau die richtige Stimmung für eine längere Zugfahrt. Wir steigen ein, richten uns ein und lassen den Alltag langsam hinter uns. Vor uns liegt nicht nur ein Ziel, sondern eine Reise, bei der der Weg von Anfang an Teil des Erlebnisses ist.
Für alle, die nicht aus dem südlichen Baden-Württemberg anreisen, gibt es eine interessante Alternative: Wer aus Richtung Frankfurt, Mannheim oder Karlsruhe kommt, kann am Vormittag den ECE 151 beziehungsweise EC 151 wählen. Dieser fährt über Freiburg und Basel direkt nach Mailand, ganz ohne Umstieg. Die Ankunft in Mailand ist gegen 16 Uhr. Eine entspannte Option für alle, die lieber durchfahren und sich den Umstieg sparen möchten.
Entspannter Umstieg in Zürich
Für uns geht es zunächst über Zürich weiter Richtung Italien. Wir planen dort bewusst eine Stunde Umstiegszeit ein. Die knappen Anschlüsse aus Richtung Stuttgart oder Singen sind zwar machbar, fühlen sich aber oft gehetzt an. Mit etwas Puffer bleibt Zeit, anzukommen. In Zürich nutzen wir die Umstiegszeit und beobachten das Treiben, bis wir anschließend ganz entspannt in den EuroCity einsteigen.
Ab Zürich beginnt der Abschnitt, bei dem man automatisch öfter aus dem Fenster schaut. Der Zug fährt durch die Alpen, vorbei an Seen, durch Täler und lange Tunnel. Seit der Wiedereröffnung des Gotthard-Basistunnels ist diese Verbindung wieder zuverlässig nutzbar. Die Strecke verbindet technische Präzision mit beeindruckender Landschaft. Die Stunden vergehen ruhig und beinahe unbemerkt.


Ankommen in Mailand
In Mailand empfängt uns der Bahnhof Milano Centrale mit voller Wucht. Die riesige Halle, die monumentale Architektur und das Licht machen klar, dass dieser Ort mehr ist als ein Verkehrsknotenpunkt. Wer hier ankommt, sollte sich einen Moment Zeit nehmen.
Unser Gepäck geben wir bei Stow Your Bags ab, etwa zehn Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Die Schließfächer lassen sich vorab reservieren und sind ideal, um die Stadt ohne Ballast zu erkunden. Insgesamt haben wir rund sechs Stunden Zeit und nutzen sie ausgiebig.
Der Weg führt uns zuerst zum Mailänder Dom. Besonders der Besuch der Dachterrassen bleibt im Gedächtnis. Von oben wirkt die Stadt weiter und ruhiger, fast übersichtlich. Danach lassen wir uns treiben, laufen durch eine der typischen Passagen und steigen später in eine der historischen Straßenbahnen ein. Mit etwas Glück erwischt man eine der alten Ventotto-Trams aus den 1920er-Jahren. Holzsitze, Metallgriffe und dieses eigene Fahrgefühl machen selbst eine kurze Fahrt zu etwas Besonderem.






Vorbereitung auf die Nachtfahrt
Am frühen Abend holen wir unser Gepäck ab und kehren zum Bahnhof zurück. Vor der Nachtfahrt decken wir uns noch mit Snacks und Getränken ein. Das ist sinnvoll, denn im Intercity Notte gibt es zwar Frühstück, aber keinen verlässlichen Verkauf von Speisen oder Getränken. Unsere Erfahrungen damit sind sehr unterschiedlich. Wer vorbereitet ist, reist entspannter, gerade weil man am nächsten Tag noch einige Stunden unterwegs ist.
In italienischen Bahnhöfen gehört Geduld dazu. Das Abfahrtsgleis wird oft erst kurz vor der Abfahrt angezeigt. Wir warten mit Blick auf die große Tafel, bis etwa 15 Minuten vorher Bewegung entsteht. Dann geht alles schnell. Unser Zug trägt offiziell die Zielanzeige Siracusa.
Im Nachtzug Richtung Sizilien
Wir finden unseren Schlafwagen ohne Probleme. Auch wer nach Palermo reist, ist hier richtig. Der Zug besteht aus zwei Teilen und wird erst nach der Fährüberfahrt getrennt. Ein Detail, das man kennen sollte, um nicht verunsichert zu sein.
Im Abteil richten wir uns ein. Der Schlafwagen ist klimatisiert, sauber und funktional. Das Fenster lässt sich oben ein Stück öffnen, gerade genug, um etwas Nachtluft hereinzulassen. Geräusche, Gerüche und Bewegung begleiten die Fahrt. Nach einem Feierabendbier machen wir die Betten bereit, holen die Kissen aus der Verpackung und legen uns hin.
Der Schlaf ist nicht perfekt. Der Schlafwagen ist etwas weniger laufruhig als ein Liegewagen, aber genau dieses sanfte Ruckeln gehört für mich zu einer Nachtzugreise dazu. Während wir durch die Vororte Mailands rollen, wird es langsam still im Wagen.
Morgenblick auf das Meer
Irgendwann am Morgen, südlich von Salerno, ziehe ich die Jalousie hoch. Direkt vor dem Fenster liegt das Meer. Ruhig, türkisfarben, fast unwirklich. Palmen ziehen vorbei, kleine Küstenorte reihen sich aneinander. Für einen Moment fühlt es sich an, als wäre man nicht nur an einem anderen Ort, sondern in einer anderen Jahreszeit.
Kurz darauf klopft der Schaffner und bringt das Frühstück. Einfach, aber charmant. Kaffee, ein Croissant, Zwieback, Marmelade und etwas Nuss-Nougat-Creme. Im Gang liegen Zeitungen aus. Eine kleine, fast aus der Zeit gefallene Geste. Während viele Nachtzugfahrten hier enden würden, beginnt diese jetzt erst richtig.




Mit dem Zug auf die Fähre
Gegen Mittag erreichen wir Villa San Giovanni. Hier wartet der Höhepunkt dieser Reise. Die Überfahrt nach Sizilien. Unsere Waggons werden langsam auf die Fähre geschoben. Wir steigen aus und holen uns im Bistro einen heißen Kaffee und eine Schokolade. Die Überfahrt über die Straße von Messina dauert rund 35 Minuten.
Kurz bevor es weitergeht, müssen alle wieder zurück in ihre Abteile. Wenig später haben die Waggons wieder festen Boden unter den Rädern.





Ankommen auf Sizilien
Die letzten Stunden ziehen ruhig dahin. Wer Richtung Siracusa fährt, wird belohnt. Der Ätna taucht plötzlich zwischen Häusern und Feldern auf, mächtig und präsent. Obstplantagen, Gemüsefelder und Pistazienhaine ziehen vorbei. Schon aus dem Zug zeigt sich, wie fruchtbar diese Insel ist.
Am Nachmittag erreichen wir Catania. Unser Ziel. Hier werden wir den Jahreswechsel verbringen. Und noch während wir aussteigen, steht fest, dass wir auch die Rückreise wieder auf diese Weise antreten werden. Mit Zeit. Mit Blick aus dem Fenster. Und mit dem Gefühl, dass der Weg ein wesentlicher Teil des Ankommens war.


Infos zur Buchung
Wir sind auf dieser Reise mit einem Interrail-Ticket unterwegs gewesen. Gerade für längere Strecken und Nachtzüge ist das eine sehr flexible Lösung, man sollte sich aber frühzeitig mit dem Thema Reservierungen beschäftigen.
Reservierungen mit Interrail
Als Interrail-Reisende lassen sich sowohl der SBB-Abschnitt zwischen Zürich und Mailand als auch der Nachtzug von Trenitalia zuverlässig über Rail Europe reservieren. Dort haben wir unsere Platz- und Abteilreservierungen vorgenommen. Das hat problemlos funktioniert und war übersichtlich dargestellt.
Für den Schlafwagen fallen zusätzlich zum Interrail-Ticket Reservierungskosten an. Bei einer Belegung mit drei Personen lagen diese bei 48 Euro pro Person, bei Zweierbelegung bei 58 Euro pro Person. Wer allein reist und ein Schlafwagenabteil für sich nutzen möchte, zahlt rund 122 Euro. Das Schlafwagenabteil ist dabei immer zur Eigennutzung vorgesehen.
Der Liegewagen ist etwas günstiger. Wir haben ihn bisher nur in Viererbelegung genutzt, dort kostet die Reservierung 41 Euro pro Person. Der Liegewagen ist eine gute Option, wenn man mit mehreren Personen reist und etwas weniger Privatsphäre in Kauf nimmt.
Buchung direkt bei Trenitalia
Alternativ kann man die gesamte Fahrt auch direkt über Trenitalia buchen. Die Buchung über die Website ist unkompliziert, erfordert aber manchmal etwas Geduld. Gerade rund um den italienischen Fahrplanwechsel im Dezember werden nicht alle Verbindungen sehr früh freigeschaltet. Wer zwischen den Jahren reist, sollte sich davon nicht verunsichern lassen. In der Regel bekommt man problemlos ein Abteil, da die Züge selten vollständig ausverkauft sind.
Bei der Buchung lohnt sich ein Blick auf die unterschiedlichen Tarife. Neben dem Base-Tarif gibt es auch die günstigeren Varianten Economy und Super Economy. Diese bieten weniger Flexibilität bei Stornierungen. Allerdings kann man bei der Buchung die Zusatzoption „tiRimborso“ auswählen. Damit ist auch bei diesen günstigeren Tarifen eine Erstattung bis zwei Tage vor Abfahrt möglich, abzüglich einer Gebühr von zehn Prozent.
Preislich liegt ein Schlafwagenabteil in Zweierbelegung, das immer zur Eigennutzung ist, je nach Reisetag zwischen etwa 200 und 280 Euro. Der Liegewagen kostet in Zweierbelegung mit exklusiver Nutzung zwischen 150 und 220 Euro. Wer auf die exklusive Nutzung verzichtet, teilt das Abteil mit anderen Reisenden, getrennt nach Frauen und Männern. Das senkt den Preis deutlich und ist für viele eine gut nutzbare Alternative.
Hinweise auf weitere Reiseberichte
Schaut euch auch gerne die Reportage von René von Nachtzüge in Europa an.


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